#6 Banden bilden: Empowermentstrategien III

Wie bildet man eigentlich eine Bande gegen sexualisierte Gewalt? Birte und Lilly sprechen in dieser Folge das erste Mal zu dritt mit Jule über die politische Selbstorganisation von Betroffenen. Sie tauschen sich darüber aus, was für sie daran empowernd ist, im Kollektiv zu sexualisierter Gewalt zu arbeiten und welche besondere Kraft in genau dieser Organisationsform liegt.
Thema sind aber auch ganz praktische Fragen und Fallstricke, denn die Folge ist Teil unserer Reihe Empowermentstrategien: Welche Arten von Gruppen gibt es überhaupt? Wie kann man potenzielle Mitstreiter*innen kennenlernen? Welche Rolle spielen Verletzlichkeit und Stabilität in der Zusammenarbeit als Betroffene?

Die Links zu Folge:
Zum Blog Ansichtssache: http://ansichtssache.blogsport.eu/
Zu Wildwasser Berlin: http://www.wildwasser-berlin.de/
ASL – Antisexistischer Support Leipzig: https://antisexistischersupport.blackblogs.org/
Zum Podcast Zärtlich und Zornig: https://www.mixcloud.com/z%C3%A4rtlichundzornig
Timo Luthmann: Politisch aktiv sein und bleiben. Handbuch nachhaltiger Aktivismus. Unrast Verlag, Münster 2019.

#5 Vergewaltigungsmythen auf dem Prüfstand

Vergewaltigungsmythen sind vorurteilsbehaftete, stereotype oder falsche Auffassungen über sexualisierte Gewalt, Betroffene und Täter*innen, die sexualisierte Gewalt verharmlosen oder leugnen. Eigentlich kann man sich das heutzutage kaum noch vorstellen – aber viele von ihnen schwirren als vermeintliches Halbwissen nach wie vor durch die Gegend. Birte und Lilly knöpfen sich in dieser Folge die wichtigsten Vergewaltigungsmythen vor und klären sie auf.
Welche Gründe gibt es aber dafür, dass es so einfach ist, an Vergewaltigungsmythen zu glauben? Birte und Lilly machen sich auch darüber Gedanken: Vergewaltigungsmythen machen es möglich, daran zu glauben, dass sexualisierte Gewalt im eigenen Umfeld keine Rolle spielt und dass das Risiko, sie selbst zu erleben, kontrollierbar ist.

Die Links zur Folge:
– Judith hat gewusst, dass “rape myth” im Englischen schon 1980 zuerst von Martha R. Burt verwendet wurde und der Begriff “Vergewaltigungsmythen” dann 1996 durch Gerd Bohner im deutschen Sprachraum verbreitet wurde. Burt, Martha R. Cultural Myths and Supports for Rape. In: Journal of Personality and Social Psychology 1980, Vol. 38, No. 2, S. 217-230. Bohner, Gerd. Vergewaltigungsmythen: Sozialpsychologische Untersuchungen über täterentlastende und opferfeindliche Überzeugungen im Bereich sexueller Gewalt. Habilitationsschrift. Frankfurt am Main 1996.
– Eine Zusammenfassung der wichtigsten Vergewaltigungsmythen und ihre Richtigstellung gibt es in dieser Broschüre von LARA: https://www.lara-berlin.de/fileadmin/Downloads/LARA_Mythen_DE.pdf
– Eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der Schröttle-Studie gibt es hier: https://www.bmfsfj.de/blob/84316/10574a0dff2039e15a9d3dd6f9eb2dff/kurzfassung-gewalt-frauen-data.pdf
 – Dass 10-25 Prozent der Täter*innen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder weiblich sind, steht zum Beispiel bei Ursula Enders: Zart war ich, bitter war’s. Handbuch gegen sexuellen Missbrauch. Kiepenheuer & Witsch 2003, S. 106.
– In diesem Artikel wird das Thema Falschbeschuldigen mit Zahlen unterfüttert und laut den meisten (seriösen) Studien bewegt sich die Zahl der falschen Anzeigen zwischen zwei und acht Prozent. Lilly hat zwei Prozent aber schon sehr häufig gehört und sich deswegen in der Folge auf diese Zahl bezogen: https://www.vox.com/2015/6/1/8687479/lie-rape-statistics
– Die Medienwissenschaftlerin Marian Meyers hat die Dynamiken der Berichterstattung über Gewalt an Frauen Ende der 1990er Jahre analysiert. Obwohl sich einiges verändert hat seitdem, treffen die grundsätzlichen Ergebnisse ihrer Studie nach wie vor zu: Meyers, Marian. News Coverage of Violence Against Women. Engendering Blame. Sage. Thousand Oaks, CA 1997.
– Zur Vertiefung des Themas Kontrollierbarkeit des Risikos, selbst sexualisierte Gewalt zu erleben, ist ein Aufsatz von Rachel Hall einschlägig: Hall, Rachel. “It Can Happen to You”: Rape Prevention in the Age of Risk Management. In: Hypatia 2004, 19 (3). S. 1-18.

#4 Familie: Empowermentstrategien II

Puh, wir haben Weihnachten und all die anderen saisonalen Feiertage überstanden! Der Umgang mit der eigenen Familie bleibt aber leider das ganze Jahr über ein herausforderndes Thema – nicht nur für Betroffene sexualisierter Gewalt. Lilly und Birte sprechen daher in dieser Empowermentfolge über einige Strategien, wie wir die (Groß-)Familie bei sexistischen und diskriminierenden Aussagen oder sexualisierten Übergriffen konfrontieren können. Wir überlegen gemeinsam, wie wir überhaupt mit der Familie über sexualisierte Gewalt sprechen können, was es bedeutet, sich vor ihnen zu “outen”, und ob Familienmitglieder auch Verbündete sein können.

Eine Alternative zum “Familismus” (was das genau ist, besprechen wir natürlich auch) ist die freund*innenzentrierte Lebensweise – eine Lebensweise, die Formen des Füreinander-Sorge-Tragens in den Vordergrund stellt, die unabhängig von der (biologischen) Kernfamilie sind.

Die Links zur Folge:

Antwortmöglichkeiten zu klassischen antifeministischen und vielfaltsfeindlichen Behauptungen:
https://genderdings.de/argumente/

Zwei Beispiele, um rechte Aussagen zu kontern: 
https://verdi-drupa.de/2017/02/06/argumente-gegen-rechte-parolen-2/
https://verdi-drupa.de/2017/04/12/argumente-gegen-rechte-parolen/

Interview dazu, warum es gut ist, etwas gegen Stammtischparolen zu sagen
https://www.fes.de/akademie-management-und-politik/veroeffentlichungen/mup-interviews/argumentation-gegen-stammtischparolen

Artikel über freund*innenschaftszentrierte Lebensweise:
Doreen Kruppa: In guten wie schlechten Zeiten. Missy Magazine, Ausgabe 03/18; https://missy-magazine.de/blog/2018/08/03/in-guten-wie-in-schlechten-zeiten/ (leider hinter der Paywall versteckt)

Mehr über freund*innenschafteszentrierte Lebensweise gibts hier:
https://freundschaftszentriertleben.com

Deborah Antmann: Weihnachten ist ein Emo-Zirkus. https://missy-magazine.de/blog/2020/01/07/weihnachten-ist-ein-emo-zirkus/

Gisela Notz: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes. Schmetterling Verlag. Stuttgart 2015.

Die genaue Formulierung der Coronaregeln über Weihnachten in Mecklenburg-Vorpommern, auf die Lilly in der Folge verweist, haben wir leider nicht mehr gefunden.

#3 Fußnoten zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Seit 1981 gibt es den 25.11. als Gedenk- und Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Aber ein einziger Tag im Jahr reicht ja wohl nicht aus im Kampf für Emanzipation und Selbstbestimmung?! Über wen reden wir eigentlich genau, wenn wir “Gewalt an Frauen” anprangern – und wen vergessen wir vielleicht? Und was heißt es, “gegen Gewalt” zu sein? Birte und Lilly versehen den Tag mit ein paar “Fußnoten”, um diese und weitere Fragen zu klären.

Die Links zur Folge:

Über die Schwestern Mirabal könnt ihr euch zum Beispiel auf Wikipedia informieren: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwestern_Mirabal

Den Blog “Ansichtssache”, der sich auch um sexualisierte Gewalt dreht, findet ihr unter http://ansichtssache.blogsport.eu/

#2 Grenzen: Empowermentstrategien I

Die eigenen Grenzen zu spüren und kommunizieren zu können ist für alle Menschen wichtig, insbesondere auch für Betroffene von sexualisierter Gewalt. Birte und Lilly sprechen in dieser Folge darüber, woran man merkt, wo die eigenen Grenzen sind (Stichwort körperliches Spüren), und wie man es schaffen kann, diese klar und situationsangemessen zu kommunizieren. Wie man mit den Grenzen anderer Menschen umgehen kann, ob und wie es es möglich ist, Grenzen gemeinsam zu erspüren, und was Grenzen auch mit Nähe und Intimität zutun haben – all das könnt ihr in dieser Folge hören.

Anmerkung: Über das Thema Grenzen verteidigen / Selbstverteidigung werden wir zu anderer Gelegenheit ausführlicher sprechen.

Die Folge ist der Start einer Serie zu Empowermentstrategien innerhalb des Podcasts Not your Opfer.

Die Links zur Folge:

Der andere Podcast über sexualisierte Gewalt von Mai Nguyen heißt “#metoo – Das Schweigen hat ein Ende”

Zum Lernenzonenmodell: http://www.soziale-dienste.net/fileadmin/FaFDi/Wissenswertes/Lernzonenmodell.pdf

Der Artikel aus “Wege zum Nein” ist von Johanna Montanari: “Kein Käfig, keine Grenze. Für eine Politik der Beziehungen und der Präzision”. In: Wege zum Nein. Beiträge für eine radikale Debatte nach der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016. edition assemblage. Münster 2017. S. 31-46.

Birte bezieht sich zudem auf dieses Buch: Haines, Staci: Ausatmen. Wege zu einer selbstbestimmten Sexualität für Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben. 2019, Orlanda Buchverlag. 

#1 Die Schattenpandemie: Corona und häusliche Gewalt

Die Coronapandemie ist nicht nur eine riesige medizinische Herausforderung, sondern zieht zahlreiche soziale und politische Konsequenzen nach sich. Unter anderem wird immer wieder gesagt, dass steigende Zahlen häuslicher Gewalt eine (unausweichliche?) Folge des Corona-Lockdowns sind. Ob das stimmt und wie das Thema häusliche Gewalt während der Coronazeit medial verhandelt wird, darüber sprechen Birte und Lilly in dieser Folge.

Sie betrachten zudem strukturelle Ursachen häuslicher Gewalt wie (finanzielle) Abhängigkeit und patriarchale Geschlechterverhältnisse (auch wenn es dazu noch einmal eine eigenständige Folge geben wird 🙂 ) und überlegen sich, welche Maßnahmen getroffen werden können, um vor allem Frauen und Kinder während eines potenziellen zweiten Lockdowns besser zu schützen und betroffene Familien zu unterstützen.

Die Links zur Folge:

Beim Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe könnt ihr unterschiedlichste Hilfsangebote in eurer Nähe recherchieren: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html

Die Studie der TU München zu häuslicher Gewalt während der Coronapandemie: https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36053/

Die Poster-Aktion des Frauenministeriums “Zuhause nicht sicher?”: https://staerker-als-gewalt.de/initiative/poster-aktion-haeusliche-gewalt

Taz-Artikel zum Thema Klassismus in der Berichterstattung zu Corona und häuslicher Gewalt: https://taz.de/Misshandelte-Kinder-im-Lockdown/!5679725&s=/

Überblick zu behördlichen Statistiken über Anzeigeverhalten bezüglich häuslicher Gewalt in Zeiten von Corona: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/corona-wo-haeusliche-gewalt-zugenommen-hat-a-fdff7e87-751c-4c46-938a-957af03ebee7

Der DLF-Beitrag, den Lilly erwähnt, der verharmlosend von “Corona-Gewaltopfern” statt von Betroffenen von häuslicher Gewalt spricht, ist leider nicht mehr online. Er ist am 1.4.2020 in den “Informationen am Morgen” gelaufen.

#0 Wer ist not your Opfer?

Endlich gibt es einen Podcast über sexualisierte Gewalt auf Deutsch! In dieser Folge erzählen Birte und Lilly, wer sie sind und warum sie einen Podcast zu gerade diesem Thema machen.

Not your Opfer – der Titel lässt sich auf zwei Arten verstehen: Erstens soll sexualisierte Gewalt bekämpft und dafür gerade die strukturellen Ursachen in den Blick genommen werden. Zweitens sollen Betroffene von sexualisierter Gewalt gesellschaftlich anders wahrgenommen werden: Nicht als traumatisierte, beschädigte Opfer, sondern als starke Menschen, die ihre Gewalterfahrungen selbstbestimmt verhandeln können.